![]() |
|
|
fügung ... Kirchen müssen sich zu Laboratorien verwandeln, so hat es der katholische Theologe Alex Stock gefordert. Sie müssen zu Experimentalbühnen, zu geistigen Forschungsstätten werden, die in der modernen Lebenswirklichkeit die Spuren der christlichen Religion aufspüren. In den Kirchen sollte die Kunst eingeübt werden, die Stoffe der Traditionen aus ihrem historischen Gefüge herauszulösen und neu zusammenzustellen. Die Stoffe der Tradition im Horizont der Fragen, die sich heute stellen, neu konfigurieren und sie neu zu Leuchten zu bringen, das ist mit Dorothee Bielfelds Altarensemble nicht nur möglich. Ihr Altar fordert geradezu auf, mit ihm zu spielen, zu experimentieren, auszuprobieren. Endlich hat eine Künstlerin eine liturgische Form gefunden, die aus einer Kirche das Laboratorium macht, das Alex Stock gefordert hatte. Wollte man das Fundament bestimmen, das in dem Fall von Dorothee Bielfelds fügung die Ev. Stadtkirche in Chorweiler trägt, dann ist es kein Stein, auch keine Person wie Petrus, auch keine Blickrichtung, sondern eine schöpferische Handlungsweise: Neues entdecken, indem man miteinander spielt. Deshalb geht Dorothee Bielfelds Ensemble aus vier einzelnen Körpern über Eduardo Chillidas Altar einen Schritt hinaus. Das Ganze ist nur im Fragment. Das verbindet die beiden Künstler. Aber während das einzelne Fragment bei Chillida fest in der Erde verankert ist, wird es bei Dorothee Bielfeld beweglich. Die Teile erschließen uns nur noch da das große und umfassende Ganze, wo wir sie aus allen Verankerungen herauslösen, sie an sich selbst betrachten, ein kleinstmöglicher Bauteil, und erst dann aufspüren, wo sie sich neu zusammenfügen. In einem solchen selbstvergessenen Spiel mit den kleinstmöglichen Bauteilen wirkt heute der schöpferische Geist, der uns mit Christus verbindet. In Köln ist dieses Spiel nun in der Ev. Stadtkirche in Chorweiler möglich, und das auch noch in einer ästhetisch überzeugenden Form.
Das Projekt wurde gefördert vom Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e. V. München. |