gedankensammler
Der gedankensammler ist eine raumbezogene plastische Wandarbeit. Idee ist es, den Gemeindemitgliedern
der vom Wandel betroffenen Christ-König-Kirche in Bochum die Möglichkeit zu geben, hier ihre
Gedanken, Wünsche und Erinnerungen zu formulieren und dem Gebäude anzuvertrauen.
Die Kirche steht vor einer großen Veränderung, sie ist zukünftig
nicht mehr ausschließlich Gottesdienstkirche, sondern wird einen neuen
Schwerpunkt als Kunst-Kirche bekommen. Diese Veränderung wird von den
Gemeindemitgliedern mit gemischten Gefühlen begleitet. Der gedankensammler
entsteht zeitgleich mit der Nutzungsänderung und kann so den
Wandlungsprozess mitgestalten.
"WIe fühlt sich Erinnern an? Dorothee Bielfelds Kunst ist in jeweils neuen Situationen und anderer Gestalt immer auch eine Auseinandersetzung mit dieser Frage. Im Jahr 2008 hat die Künstlerin schon einmal eine Installation in der Christ-König-Kirche in Bochum realisiert. Mit Bleiplatten wurden Abdrücke des Kirchenraumes genommen und auf diese Weise bewahrt, archiviert und verewigt. Dazu gehörte auch der gedankensammler, der noch heute in der Kirche denjenigen, die es möchten, für alle Formen des Nachdenkens zur Verfügung steht. Er erlaubt es, dass man seine Wünsche, Hoffnungen und Überlegungen in Bleiröhrchen in einer Wand hinterlegen kann. Wenn man sie tief hinein versenkt, bleiben sie dort im Verborgenen, wenn man sie weiter vorn einlegt, besteht die Möglichkeit, dass der ein oder andere sie hinauszieht und davon erfährt. Der gedankensammler ist ein ganz handfester Container für die eher schwer fassbaren Dinge im Leben. Er macht Andenken und Erinnern wortwörtlich greifbar."
Prof. Dr. Charlotte Klonk, Humboldt-Universität zu Berlin, 2010